Grundlagen
Maysir: was als Glücksspiel gilt
Die Frage ist immer dieselbe: Entsteht etwas, oder wechselt Geld nur die Seite?
Von Elias El-GendyAktualisiert am 5. September 20262 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Maysir ist ein Geschäft, bei dem der Zufall entscheidet und nichts entsteht.
- Der Gewinn der einen Seite ist genau der Verlust der anderen. Einer geht leer aus.
- Aktien sind kein Maysir. Forex, CFDs, Optionen und Meme-Coins nach verbreiteter Auffassung schon.
- Eine Strategie macht aus einem Casino kein Geschäft.
- Lootboxen haben dieselbe Bauweise wie ein Spielautomat.
- Neben dem Vertrag ist der Suchtcharakter ein eigener Kritikpunkt.
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Maysir ist das Nullsummenspiel
Maysir heißt Glücksspiel. Gemeint ist ein Geschäft, bei dem beide Seiten etwas einsetzen, der Ausgang vom Zufall abhängt und der Gewinn der einen Seite genau der Verlust der anderen ist.
Das ist der Unterschied zu jedem erlaubten Geschäft. Wer eine Werkstatt betreibt, schafft etwas: eine reparierte Maschine, für die jemand zahlt. Wer Anteile an einer Firma hält, ist an dem beteiligt, was diese Firma herstellt. Beide Seiten können gewinnen. Beim Glücksspiel kann nur eine.
Maysir und Gharar treten oft zusammen auf, sind aber nicht dasselbe. Gharar ist Unklarheit im Vertrag, Maysir ist der Wettcharakter. Glücksspiel gilt dabei als die schärfste Form der Unklarheit: Man weiß nicht einmal, ob man überhaupt etwas bekommt.
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Acht Fälle, eingeordnet
Die Frage kommt selten bei Lotto. Sie kommt bei Dingen, die harmlos aussehen.
Lotto, Sportwetten, Casino
MaysirLootboxen und Gewinnkisten in Spielen
MaysirForex und Daytrading
MaysirOptionen, Futures und CFDs
MaysirWetten auf fallende Kurse
MaysirMeme-Coins
MaysirAktien kaufen
kein MaysirGewinnspiele ohne Einsatz
kein MaysirVersicherungen
kommt darauf an03
Der Punkt, der über den Vertrag hinausgeht
Beim Glücksspiel wird nicht nur der Vertrag kritisiert, sondern auch das, was es mit Menschen macht. Das ist eine eigenständige Begründung und kein Nebensatz.
Wer einmal gewonnen hat, will wieder spielen. Wer verloren hat, will es zurückholen. Genau daraus entsteht die Sucht, und sie zerstört zuverlässig das, was der Islam beim Geld schützen will: den Unterhalt der Familie, das Verhältnis zu Menschen, die Fähigkeit, für andere zu sorgen. Trading-Apps mit Kursalarm und Push-Nachricht sind darin näher an einem Spielautomaten als an einem Depot.
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Wo Investieren zur Wette wird
Ich kaufe nur ganz normale Aktien. Kann ich damit trotzdem in dieser Ecke landen?
Ja, und deshalb ist das der schwierigste Teil. Dieselbe Aktie kann eine Beteiligung sein oder eine Wette. Der Unterschied steckt nicht im Papier, sondern in der Absicht und in der Haltedauer.
Wer Anteile kauft, weil er an das Geschäft glaubt, und sie über Jahre hält, ist Miteigentümer. Wer dieselben Anteile morgens kauft und abends verkauft, weil er auf eine Bewegung setzt, tut wirtschaftlich etwas anderes, auch wenn der Vertrag gleich aussieht.
Wichtig zur Einordnung: Der Aktienkauf bekommt dadurch nicht das Urteil des Glücksspiels. Es bleibt ein zulässiger Vertrag. Fragwürdig ist das Verhalten, nicht das Papier. Drei Fragen helfen bei der eigenen Einschätzung:
- 1
Weißt du, was die Firma macht?
Kannst du in einem Satz sagen, womit sie ihr Geld verdient? Wenn nicht, hast du kein Geschäft gekauft, sondern ein Kürzel. - 2
Würdest du die Anteile auch halten, wenn der Kurs ein Jahr stillsteht?
Wer nur auf Bewegung wartet, verdient nicht am Geschäft, sondern an der Bewegung. - 3
Hättest du ein Problem damit, wenn morgen keine Kurse veröffentlicht würden?
Ein Miteigentümer könnte damit leben. Ein Wettender nicht.
Wer dreimal Nein sagt, hat wahrscheinlich keine Beteiligung gekauft, sondern eine Wette platziert.
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Häufig gestellte Fragen
Passt dazu
- Gharar behandelt den Begriff, der fast immer zusammen mit Maysir fällt.
- Ist Bitcoin halal? geht der Spekulationsfrage bei Krypto nach.
- Sind Aktien halal? erklärt, warum eine Beteiligung etwas anderes ist als eine Wette.

Elias El-Gendy
Gründer von finanzmuslim, erklärt islamkonforme Finanzen für Einsteiger.
Veröffentlicht am 16. August 2026, zuletzt aktualisiert am 5. September 2026
Dieser Beitrag gibt bekannte Positionen wieder und dient ausschließlich zu Bildungszwecken. Er ist keine Fatwa und keine Anlageberatung. Zur Einordnung einzelner Fälle, besonders bei Versicherungen, Gewinnspielen und kurzfristigem Handel, bestehen zwischen den Rechtsschulen unterschiedliche Auffassungen.