Pflichten
Nisab: ab wann du Zakat zahlst
Zwei Bedingungen, eine Grenze und die Frage, ob du mit Gold oder mit Silber rechnest.
Von Elias El-GendyAktualisiert am 5. September 20264 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Der Nisab ist die Untergrenze, ab der Zakat fällig wird.
- Er ist in Gewicht festgelegt: 85 Gramm Gold oder 595 Gramm Silber.
- Nach Silber sind das heute rund 1.031 €, nach Gold rund 10.152 €.
- Drei Rechtsschulen nehmen Gold, eine nimmt Silber. Beides ist vertretbar, nur nicht jedes Jahr im Wechsel.
- Zweite Bedingung: das Vermögen muss ein volles Mondjahr über der Grenze bleiben.
- Stichtag im islamischen Kalender notieren, sonst wandert er jedes Jahr um elf Tage.
01
Der Nisab ist eine Untergrenze
Muss ich Zakat zahlen, wenn ich nur ein paar Tausend Euro gespart habe?
Vielleicht nicht. Zakat zahlt nicht jeder. Sie wird erst fällig, wenn dein Vermögen einen bestimmten Betrag erreicht und ein volles Mondjahr darüber bleibt. Dieser Betrag ist die Untergrenze.
Der Sinn dahinter ist einfach: Wer selbst wenig hat, soll nicht abgeben müssen. Die Grenze trennt die, die geben, von denen, die empfangen.
Festgelegt wurde er in Gewicht, nicht in Geld: 85 Gramm Gold oder 595 Gramm Silber. Weil Silber heute im Verhältnis viel billiger ist als zur Zeit der Festlegung, liegen die beiden Grenzen weit auseinander. Genau daraus entsteht die einzige echte Frage in diesem Thema.
02
Die beiden Grenzen heute
Stand 01.10.2026, gerechnet mit 119,44 Euro je Gramm Gold und 1,733 Euro je Gramm Silber.
Nach Silber
1.031 €
595 Gramm Silber. Die niedrigere Grenze, wer sie wählt, ist früher zakatpflichtig.
Nach Gold
10.152 €
85 Gramm Gold. Die höhere Grenze, wer sie wählt, zahlt erst deutlich später.
Der Unterschied ist keine Kleinigkeit. Zwischen den beiden Grenzen liegt der Bereich, in dem die Entscheidung darüber bestimmt, ob du in diesem Jahr überhaupt Zakat zahlst.
03
Welche der beiden Grenzen gilt
Warum sagt die eine Seite Silber und die andere Gold?
Weil beide auf die Überlieferung zurückgehen und beide bis heute vertreten werden. Die Begründungen laufen in unterschiedliche Richtungen, und es hilft, sie einmal nebeneinander zu sehen.
Für den Silber-Nisab
- Die niedrigere Grenze erfasst mehr Menschen, es kommt also mehr bei den Empfängern an.
- Wer im Zweifel ist, entscheidet nach dieser Sicht zugunsten der Armen.
- Viele Hilfsorganisationen rechnen deshalb mit Silber.
- Innerhalb der Rechtsschulen ist das die Linie der Hanbaliten.
Für den Gold-Nisab
- Drei der vier großen Rechtsschulen nehmen Gold als Maßstab.
- Zur Zeit der Festlegung waren beide Grenzen etwa gleich viel wert, Silber hat seine Kaufkraft verloren.
- Der Silber-Nisab liegt heute bei einem Betrag, mit dem in Deutschland niemand als wohlhabend gilt.
- Zakat setzt Wohlstand voraus, und den soll die Grenze abbilden.
Was das praktisch heißt: Beides ist vertretbar, und keiner von beiden Wegen ist ein Fehler. Wer sicher gehen will, dass er nicht zu wenig gibt, nimmt Silber, denn zu viel gegeben zu haben hat noch niemand bereut. Wer den Gedanken hinter der Grenze in den Vordergrund stellt, nimmt Gold. Was in beiden Fällen zählt: den einmal gewählten Maßstab beibehalten und nicht jedes Jahr wechseln, je nachdem, was gerade günstiger ausfällt.
Im Zakat-Rechner kannst du zwischen beiden umschalten und siehst sofort, was es ausmacht.
04
Das Mondjahr, die zweite Bedingung
Die Grenze allein reicht nicht. Dein Vermögen muss ein volles Mondjahr über ihr geblieben sein. Ein Mondjahr hat rund 354 Tage, also elf Tage weniger als das Kalenderjahr.
Der Stichtag ist der Tag, an dem dein Vermögen den Nisab zum ersten Mal überschritten hat. Notier ihn im islamischen Kalender, nicht im deutschen. Sonst wandert dein Termin jedes Jahr um elf Tage, und nach etwa dreißig Jahren hättest du ein ganzes Jahr übersprungen. Viele legen den Stichtag bewusst in den Ramadan, um ihn nicht zu vergessen.
Was ist, wenn ich zwischendurch unter die Grenze rutsche?
Die Grundregel ist streng: Fällt dein Vermögen unter den Nisab, beginnt die Zählung von vorn, sobald du ihn wieder überschreitest. Nach hanafitischer Auffassung genügt es dagegen, wenn Anfang und Ende des Mondjahres über der Grenze liegen, dazwischen darf es schwanken.
Gerechnet wird am Stichtag mit dem, was da ist. Nicht mit dem Durchschnitt des Jahres und nicht mit dem Einkommen.
05
Was in die Rechnung kommt
Verglichen wird der Nisab mit deinem zakatpflichtigen Vermögen, nicht mit deinem Konto allein. Dazu gehören Bargeld und Guthaben, Gold und Silber, Handelsware sowie Aktien, ETFs und Sukuk.
Nicht dazu zählt, was du selbst nutzt: die eigene Wohnung, das Auto, Möbel, Werkzeug. Kurzfristig fällige Schulden werden nach verbreiteter Auffassung vorher abgezogen.
Bei langfristig gehaltenen Aktien und ETFs wird nicht der volle Wert angesetzt, sondern nach verbreiteter Auffassung rund 30 Prozent davon. Der Zakat-Rechner nimmt dir diese Rechnung ab und zeigt dir gleich, ob du über der Grenze liegst.
06
Wohin die Zakat geht
Der Nisab entscheidet, ob du zahlst. Genauso wichtig ist, an wen. Zakat ist an bestimmte Empfänger gebunden, und falsch verteilte Zakat gilt als nicht bezahlt. Du müsstest sie dann noch einmal geben.
Der sichere Weg sind Arme und Bedürftige. In einem Land ohne islamische Verwaltung, die das für dich regelt, ist das die Gruppe, bei der du nichts falsch machen kannst. Bei den anderen Empfängergruppen, etwa Schuldnern oder Projekten, musst du selbst beurteilen, ob die Voraussetzungen wirklich vorliegen, und genau das ist schwer. Wer sicher gehen will, lässt es.
07
Häufig gestellte Fragen
Passt dazu
- Der Zakat-Rechner rechnet mit beiden Grenzen und zeigt dir den Unterschied.
- Gold richtig kaufen erklärt, welches Gold in die Zakat-Rechnung gehört.
- Aktienbereinigung der zweite Betrag im Jahr, der nichts mit der Zakat zu tun hat.
- Zinsen im Islam klärt den Begriff, um den sich alles andere dreht.

Elias El-Gendy
Gründer von finanzmuslim, erklärt islamkonforme Finanzen für Einsteiger.
Veröffentlicht am 16. August 2026, zuletzt aktualisiert am 5. September 2026
Dieser Beitrag gibt bekannte Positionen wieder und dient ausschließlich zu Bildungszwecken. Er ist keine Fatwa und ersetzt nicht die Auskunft eines Gelehrten. Zur Wahl des Maßstabs, zur Behandlung unterjähriger Schwankungen, zur Bemessung von Wertpapieren und zur Verteilung an die Empfänger bestehen innerhalb der Rechtsschulen unterschiedliche Auffassungen. Die Eurobeträge beruhen auf Terminkursen für Gold und Silber und weichen meist ein bis zwei Prozent vom Spotpreis ab.