Investieren
Halal ETFs: worauf du achtest
Vier Fragen an den Fonds, die im Factsheet stehen und zehn Minuten kosten.
Von Elias El-GendyAktualisiert am 5. September 20263 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Ein ETF wird auf zwei Ebenen geprüft: der Index und der Fonds selbst.
- Vier Fragen an den Fonds: Leihe, Nachbildung, Reinigung, Zertifikat.
- Ein Zertifikat bestätigt die Filter, nicht jede einzelne Firma im Korb.
- Im Namen steht Islamic oder Shariah. Verlass dich trotzdem auf die ISIN.
- ESG ist nicht halal. Dort sind Banken oft die größten Positionen.
- Halal heißt erlaubt, nicht sicher. Das Risiko bleibt dasselbe.
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Ein ETF wird auf zwei Ebenen geprüft
Im Namen steht Islamic. Reicht das nicht als Prüfung?
Nein, denn geprüft wird zweimal, an zwei völlig verschiedenen Stellen. Ein ETF ist ein Korb. Er kauft nach einer festen Liste ein und entscheidet selbst nichts. Wenn die Liste sauber ist, ist der Inhalt sauber. Damit hört die Prüfung aber nicht auf.
Die erste Ebene ist der Index. Ein Anbieter wie MSCI oder Dow Jones prüft jede Firma nach festen Grenzwerten und wirft raus, was durchfällt. Welche drei Grenzwerte das sind, steht in Sind Aktien halal?
Die zweite Ebene ist der Fonds selbst. Er kann einen sauberen Index nachbilden und trotzdem Dinge tun, die du nicht willst. Genau hier schauen die wenigsten hin, und genau hier liegen die Unterschiede zwischen den Anbietern.
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Vier Fragen an den Fonds
Diese vier stehen im Factsheet oder im Verkaufsprospekt. Zusammen brauchen sie zehn Minuten, und danach weißt du mehr über deinen Fonds als die meisten, die ihn besparen.
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Verleiht der Fonds Wertpapiere?
Viele ETFs verleihen ihre Aktien gegen eine Gebühr an andere Marktteilnehmer. Das bringt ein paar Hundertstel Rendite und ist unter Gelehrten umstritten, weil die Papiere häufig für Leerverkäufe gebraucht werden, also für Wetten auf fallende Kurse. Im Factsheet steht das unter Wertpapierleihe oder Securities Lending. Manche Islamic-ETFs schließen es ausdrücklich aus. - 2
Kauft er die Aktien wirklich?
Physisch heißt, der Fonds besitzt die Papiere. Synthetisch heißt, er bildet den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank nach und hält in Wahrheit etwas ganz anderes. Für ein islamkonformes Depot ist physisch der klare Fall, synthetisch bringt einen Vertrag ins Spiel, den niemand für dich geprüft hat. - 3
Was passiert mit dem unreinen Teil der Erträge?
Auch geprüfte Firmen haben kleine Zinserträge. Manche Anbieter rechnen den Anteil aus und weisen ihn aus, einer reinigt seit 2026 sogar selbst im Fonds. Andere schweigen dazu, dann musst du schätzen. Welcher Fonds was macht, steht in der Aktienbereinigung. - 4
Wer hat geprüft, und was genau?
Ein Name allein reicht nicht. Wichtig ist, ob ein Zertifikat für das Produkt selbst vorliegt oder nur für den Index, und ob es jährlich erneuert wird. In unserer Datenbank steht bei jeder Anlage genau das.
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Auf welcher Meinung diese Fonds stehen
Etwas, das kaum jemand ausspricht: Alle Islamic-ETFs am Markt bauen auf derselben Grundlage auf, nämlich auf der Auffassung, dass eine kleine, unvermeidbare Zinsberührung hinnehmbar ist, solange sie unter den Grenzwerten bleibt und der unreine Anteil später weitergegeben wird.
Es gibt auch die strengere Auffassung: keine Toleranz bei Zinsen, nicht einmal ein Zehntelprozent. Wer ihr folgt, findet am Markt keinen einzigen Fonds, der zu ihm passt, und bleibt bei physischem Gold, Sukuk oder Einzelfällen, die er selbst prüft. Das ist eine legitime Entscheidung, sie sollte nur bewusst getroffen werden.
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Woran du einen erkennst
Im Namen steht fast immer Islamic, Shariah oder Islamic Screened. Das ist der schnellste Filter in der Suche deines Brokers.
Reicht es, nach dem Wort zu suchen?
Leider nicht. Es gibt Fonds mit ähnlich klingenden Namen, die nichts damit zu tun haben, etwa Nachhaltigkeitsfonds mit ESG oder SRI im Titel. Die schließen zwar Waffen und Tabak aus, aber Banken und Versicherungen sind dort oft die größten Positionen, und die Zinsgrenzwerte prüfen sie gar nicht.
Der sichere Weg ist die ISIN. Das ist die zwölfstellige Nummer, die es zu jedem Wertpapier nur einmal gibt. Mit ihr findest du dieselbe Anlage bei jedem Broker, egal wie der Fonds dort im Suchfeld heißt. Bei jeder Anlage in unserer Datenbank steht sie zum Kopieren daneben.
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Was auch ein geprüfter ETF nicht abnimmt
Ein Islamic-ETF nimmt dir die Prüfung von hunderten Firmen ab. Drei Dinge bleiben trotzdem bei dir.
- Das Verrechnungskonto. Der sauberste ETF nützt wenig, wenn dein Broker auf das Guthaben daneben Zinsen zahlt. Was du dort einstellst, steht im Depot-Vergleich.
- Die Reinigung der Erträge. Der kleine unreine Anteil verschwindet nicht dadurch, dass ein Gremium den Fonds freigegeben hat. Er wird ausgerechnet und weitergegeben, siehe Aktienbereinigung.
- Das Risiko. Halal heißt erlaubt, nicht sicher. Ein Islamic-ETF schwankt wie jeder andere Aktienfonds, und ein Verlust ist jederzeit möglich. Die Prüfung betrifft die Zulässigkeit, nicht die Wertentwicklung.
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Häufig gestellte Fragen
Passt dazu
- Sind Aktien halal? erklärt die drei Grenzwerte, nach denen der Index filtert.
- Aktienbereinigung zeigt, welcher Fonds selbst reinigt und was bei dir bleibt.
- Sukuk statt Anleihe die zweite große Anlageklasse in der Datenbank.
- Die Halal-Datenbank listet jede geprüfte Anlage mit Kursverlauf und ISIN.

Elias El-Gendy
Gründer von finanzmuslim, erklärt islamkonforme Finanzen für Einsteiger.
Veröffentlicht am 16. August 2026, zuletzt aktualisiert am 5. September 2026
Dieser Beitrag dient ausschließlich zu Bildungszwecken, ist keine Fatwa und keine Anlageberatung. Genannte Anbieter und Indexhäuser sind Beispiele, keine Empfehlung. Zu Wertpapierleihe, synthetischer Nachbildung und zur Reinigung von Erträgen bestehen zwischen den Rechtsschulen und einzelnen Gremien unterschiedliche Auffassungen. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust.